|
|
|
|
E. Der Weg Europas aus der Vogelschau |
"Die Schweiz in der UNO" |
G. Die europäische Union |
F. Europa zwischen Vergangenheit und Zukunft1. Auftrag Europasa) ErdenkulturEuropa drängt zu einer irdisch-menschlichen Kultur. Ihr Gehalt ist die humanitas. b) SelbstgestaltungGestaltungsmacht soll eine Umpolung erfahren von aussen (Natur und Gemeinschaft) nach innen (Denken und Wollen): der personale Mensch als Entelechie wird autonom, säkular und damit verantwortlich für sich und die Welt. Emanzipation bedeutet Ablösung aus Bindungen im Freiwerden der einzelnen: "Freiheit wovon". Die daraus entstehende Bindungslosigkeit ruft nach Bindung im Geistigen und ermöglicht "Freiheit wozu" als Kompetenz zur eigenen Gestaltung. Bei Gemeinschaftsaufgaben vollzieht sich diese Freiheit in der Sammlung der Verschiedenen und in der Teilhabe am Ganzen, in assoziativer Vereinigung zum Bund. c) StaatEr soll ein Instrument werden für das Zusammenleben der Menschen in einer menschengemässen Freiheitsordnung. Eine solche Ordnung setzt voraus die funktionale Trennung der Lebensbereiche Staat, Wirtschaft und Kultur, sowie die Gewaltenteilung in den Tätigkeiten des Staates und damit die saubere Trennung von Politik und Recht. 2. Durchführung des AuftragesHandeln vollzieht sich in der Gegenwart. Diese ereignet sich da, wo Vergangenheit und Zukunft sich begegnen. Vergangenheitsgestalten und Zukunftskräfte formen die Gegenwart. a) VergangenheitselementeDas Ganze ist übermächtig, der Einzelmensch bedeutet wenig. Die Steuerung des gesellschaftlichen Lebens geschieht "von oben" her, vom Staat als Apparat herrschaftlichen Willens organisiert. Einheitlichkeit soll Einheit gewährleisten; Sachzwecke wirken als Klammer des Ausseinanderstrebenden. Dazu gehört, als Grund so gut wie als Folge, ein unmündiges Volk, das als unvernünftig und passiv gilt und darum bevormundet wird. Zentralisierung und "einspringende Fürsorge" aber machen Menschen abhängig und schwächen Freiheitskräfte und Eigenverantwortung. Das Ganze dominiert und determiniert; der Mensch wird konditioniert. b) ZukunftskräfteDie Kräfte des Menschen, seine Fähigkeiten und seine Arbeit haben den Vorrang vor Sachzwecken. Gemeinschaftsgestaltend sind Assoziation und Föderation, die Freiheit und Verantwortungskräfte auslösen und verstärken. Zusammenarbeit in den Völkern und von Völkern ergibt jeweilige Partizipation am Werk und am Ertrag, lässt Lebenssinn erfahren und begründet Daseinsfreude. Daraus wird eine irdisch-menschliche Kultur erwachsen! 3. Zeitprobleme harren ihrer Lösunga) Welt – Innenpolitik:Die Welt ist im Zusammenwachsen begriffen. Europa hat zwischen Ost und West, zwischen zwei verschiedenen Weltentwürfen, seinen Beitrag zur Lösung von Weltproblemen zu erbringen. Seiner spezifischen Art gemäss hat es Wege zu erschliessen für den Umgang mit der Umwelt, der Migration, der Armut, der Kriminalität, der Arbeitslosigkeit, der Verkehrsflut, der Übernutzung von Ressourcen, dem Drogenkonsum, dem Zerfall von Staaten, der wirtschaftlichen Globalisierung. Und all' das in einer Zeit, da auch der Mensch selber einem Wandel anheimgegeben ist. Zwischen den äusseren Verhältnissen und dem Menscheninnern besteht eine geheime Entsprechung: der europäische Mensch auf seinem Weg zum – letztlich – unbekannten Ziel. b) Europa auf dem Weg:Das Grundthema und Leitmotiv auf dem Weg Europas besteht in der Ablösung der Aussenlenkung durch Innenlenkung. Der Mensch soll seine Fremdbestimmung mittels Selbst- und Mitbestimmung überwinden. In diesem langwierigen Prozess werden zwei Polaritäten offenbar: der Gegensatz von "innen - ausssen" und der von "unten - oben"; beide zusammen bilden das Weltenkreuz. Europa ist die Aufgabe gestellt, beide Polaritäten zu verbinden! c) Der Mensch:Der europäische Mensch befindet sich auf dem Weg vom gruppenhaften zum individuellen Menschen. Gruppenhaft lebt er als Teil eines Ganzen, ein Stück in fraglosem Eingebundensein, lokal und traditional verwurzelt und begrenzt. Nur der individuelle Mensch kann universell leben, gedanklich verbunden mit der Welt und ihrer Zukunft; in ihm bildet sich integrales Bewusstsein in der Überwindung des binären Denkens durch ein ganzheitliches Verständnis der Welt und des Menschen selber. So ist er fähig, den Weg nach innen mit dem Weg nach aussen zu verbinden, Voraussetzung einer menschengemässen Zukunft, des "Reiches des Menschen". d) Die GemeinschaftSie existiert im Wandel von naturhafter zur gewillkürten Gemeinschaft mit freier Wahl von Ziel und Weg für den Einzelmenschen. An monolithischer Welt prallt sein Wollen wirkungslos ab; eine funktional gegliederte Umwelt hingegen ermöglicht Freiheit des Wählens und Gestaltens und damit die Verantwortlichkeit des Tätigen für das Gemeinwesen. Erstmals in der Weltgeschichte wird im 20. Jahrhundert die Berechtigung von "Herrschaft" grundsätzlich bestritten; das Ideal einer freilassenden Verbindung in selbstgewählten Assoziationen verschiedenster Art verlangt nach Mitsprache und Mitschöpfung, nach Partizipation in einer freilassenden Ordnung mit Blick auf partielle Ziele. Dieses Ideal findet sein Heil nicht im "Turmbau", sondern in der Einigung mittels "Sammlung". So verbinden sich "oben" und "unten". Die Ansätze sind bereits da; sie müssen entwickelt werden: der Föderalismus weist zu einer Föderativordnung; der Regionalismus weckt den Sinn für gemeinschaftliches Handeln in territorialen Grenzen; und die Tätigkeiten der NGO zielen auf globales Gestalten bei der Lösung von Zeitaufgaben. e) Der StaatDer europäische Wandel von Mensch und Gemeinschaft erfasst auch den Staat: er ist zu transformieren in ein Hilfsmittel im Dienst der Menschen. Dieser Dienst bedarf heute eines starken Staates! Er wird aber immer schwächer: seine Allzuständigkeit macht ihn monolithisch - unbeweglich. Durch Aufgabenbeschränkung mittels Funktionsteilung mit Kultur und Wirtschaft wird er stark, und die erneuerte strikte Gewaltentrennung in seinem Wirkungsbereich bringt ihn den Menschen näher, weil er ihre Freiheit ermöglicht, statt diese im Filz von Amigo- Seilschaften zu ersticken. Auch "Demokratie" will weitergebildet werden, damit die Bedürfnisse der Menschen besser zur Geltung kommen können und die Bindung von Forderung und Verantwortung helfen wird, die Forderungsmentalität zu überwinden. f) Das kulturelle LebenEs ist die eigentliche Ressource unseres Daseins; aus ihm erfliessen alle Impulse und Ideen zur Gestaltung unseres Lebens. Es folgt seinen eigenen Gesetzmässigkeiten und muss darum seine Wirksamkeit unabhängig von Staat und Wirtschaft entfalten können! Wollen wir die immer stärker werdende Gefährdung des Menschseins überwinden, so müssen wir das einseitig naturwissenschaftliche Menschenbild erweitern, indem der Mensch als Entelechie verstanden wird, die sich und die Umwelt autonom gestalten will. Als soziales Wesen erfährt das Individuum seine Beschränktheit, aber auch den Antrieb, die eigene Grenze zu übersteigen und Gemeinschaftsbedürfnisse zu berücksichtigen. Das ist oft sehr schwierig! Der Einzelne ist auf Hilfestellung angewiesen, um sich über ein öffentliches Problem ein sachliches Urteil zu bilden. Wir brauchen dazu gesellschaftliche Einrichtungen als Wahrnehmungsorgane für öffentliche Bedürfnisse und Tatsachen. Von Staat und Wirtschaft unabhängig, können mit intellektueller Redlichkeit wichtige kontroverse Zusammenhänge geklärt werden, um dem Bürger sichere Urteilsgrundlagen zu bereiten. Es entsteht Transparenz und Verständnis, und das soziale Leben kann wieder gesunden. Zugleich können auf diesem Wege der "Funktionär" und der "verwaltete Mensch" sowie die Herrschaft der "Sachzwänge" überwunden werden. Der Staat überwacht als Schiedsrichter die Anwendung der Spielregeln! g) Die WirtschaftIndividualisierung und Säkularisierung als Lebenssaat im Irdisch - Zeitlichen fordern Personalität und Partizipation als Gestaltungsfaktoren auch in der Wirtschaft. Beides zusammen fördert Einzelaktivitäten, Zusammenarbeit und Wettbewerb. Kooperative Strukturen erweitern das Wahrnehmen und Denken aller Mitarbeitenden als "Ausbildung durch Beteiligung". Der Blick auf’s Ganze und seine Zusammenhänge weckt und entwickelt den Sinn für eigene Verantwortung und überwindet die Forderungsmentalität ichbezogener Konsumentenhaltung. Transparenz, Kooperation und Einsicht für alle Partner im Hinblick auf Produktion wie auch Ertragsteilung werden der Wirtschaft die Bedeutung verschaffen, die ihr unter der Herrschaft einseitiger Kapitalinteressen zunehmend verloren geht: die Orientierung des Wirtschaftens an den Bedürfnissen der Allgemeinheit, also an Bedarfsdeckung unter Verzicht auf forciertes Wachstum. |
||
E. Der Weg Europas aus der Vogelschau |
Seitenanfang |
G. Die europäische Union |
Copyright © 2001 by Reinhart Buess |
||